Testbericht Marleaux mBass Custom Fünfsaiter



Testbericht aus "Bass Professor" Heft 02/2001
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Vor nicht allzu langer Zeit stellten wir in der Ausgabe 3/2000 den jüngsten Zögling aus dem Hause Marleaux vor: den M-Bass. Seine bahnbrechenden Neuerungen in bezug auf den Hals-/Korpusverbindung, der sogenannte "durchgeleimte" Hals, wussten damals wie heute sehr zu gefallen. Immerhin ist es den Harzern Gerald Marleaux und Tilman Antons mit diesem neuen Modell gelungen, die Vorteile zweier bis dahin üblicher Konstruktionsweisen- "geschraubter" und "durchgehender" Hals - miteinander zu kombinieren. Der M-Bass verfügt deshalb nicht nur über eine schnelle und direkte Ansprache, sondern auch über ein gesundes Sustain und einen eben solchen Obertonreichtum.

Da Marleaux Bass Guitars bekanntermaßen permanent an ihrem Produktsortiment feilen und ihre Modellpalette kontinuierlich verbessern und ausbauen, war es nur eine Frage von kurzer Zeit, bis sie uns wieder mit einer Weiterentwicklung dieses Modells beehren würden. Und hier ist sie auch schon: Vorhang auf für den M-Bass Custom!

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Erster Eindruck


Hübsch ist er geworden, der neue Marleaux! Anstelle des ,,Wohnzimmerschrankwand-Looks" des Basismodells, das einen Dibetoukorpus besitzt, trat beim M-Bass Custom ein neues Outfit. Der Body besteht nunmehr aus drei Teilen Riegelahorn. Zudem hat man dem Frischling eine wunderhübsche Decke aus Movingui Frise (ein wunderschön geflammtes Edelholz aus Ceylon; übrigens aus dem letzten Stamm, der offiziell das Land verlassen durfte!) verpasst und diese durch ein schmales Wengefurnier vom übrigen Korpusholz optisch abgesetzt. Das gleiche Movingui mitsamt Furnier findet sich auf der leicht nach hinten abgewinkelten Kopfplatte des einteiligen Ahornha!ses. Da bei solch schön anzusehenden Hölzern jede deckende Lackierung einer Verschwendung gleichkäme, wurde der M-Bass Custom wie das Basismodell lediglich matt lackiert. (Mich persönlich würde es ja immer noch mal reizen, einen M-Bass mit einer erstklassigen farbig-transparenten Hochglanzlackierung unter die Augen zu bekommen...) Die leicht gelbliche Färbung des Movingui brachte mich übrigens zunächst zu der Vermutung, die Decke sei möglicherweise gebeizt, doch Tatsache ist, dass es sich hierbei um die Naturfarbe handelt!

Die zweite elementar wichtige Neuerung des neuen Modells ist ein zweiter Pickup, der den hervorragenden Marleaux Jazzbucker ergänzt. Beim Jazzbucker, der ja auch schon beim Basismodel! zu Einsatz kommt, handelt es sich bekanntermaßen um einen kräftigen Humbucker, der neben seiner schmucken Ebenholzkappe beim Vorläufer noch durch drei verschiedene Grundsounds zu gefallen wusste. Neu "an Bord" der Customversion ist ein weiterer Pickup, der ebenfalls dem Hause Marleaux entstammt. Hierbei handelt es sich um einen Singlecoil-Tonabnehmer, der selbstredend gleichermaßen mit einer Ebenholzkappe daherkommt. Durch die Kombination vom (neuen) Hals- und BridgeTonabnehmer beim M-Bass Custom wäre es jedoch im Parallelbetrieb der zwei Spulen des Jazzbuckers zu einer "Out-Of-Phase"-Schaltung gekommen, da man es auf diese Weise plötzlich mit drei Spulen zu tun gehabt hätte. Jeder, der schon einmal den merkwürdigen, indirekten und "verdrehten" Sound einer solchen Schaltung gehört hat, wird verstehen, dass man auf diesen Sound ohne weiteres verzichten kann. Das ist auch der Grund, warum Marleaux den Jazzbucker ihres neuen "Babys" nunmehr nur noch mit einem Zweiwegschalter versehen. Mittels dieses kleinen Kippschalters kann man den Humbucker entweder seriell oder als Singlecoil betreiben. Durch die Kombination mit dem zusätzlichen Halstonabnehmer erhält man dafür jedoch viele neue Soundoptionen, die einen schnell für den Verlust der "Paralleloption" entschädigen. We'll see...

Was gibt es noch Neues am neuen M-Bass Custom? Die Rückseite des Instrumentes beherbergt das E-Fach, welches abermals aus schickem Vogelaugenahorn daherkommt. Gehalten wird es von vier Schrauben, die selbstredend und wie gewohnt in Gewindehülsen im Korpus stecken. Anders als beim letzten Testkandidaten hat man beim heutigen die Batterie allerdings ebenfalls im E-Fach untergebracht. Schade, denn gerade dieses Feature wusste mir beim Basismodell besonders zu gefallen. Immerhin gewährleistete das eigene Batteriefach, das nur durch eine einzige Schraube (!) gehalten wurde, schnellsten Batteriewechsel im Notfall. Bei einem Telefonat erklärte mir Gerald Marleaux jedoch, dass es sich bei unserem Testobjekt um einen Prototypen (quasi das Modell "0") handele, und dass man alle neuen Instrumente mittlerweile wieder standardmäßig mit gesondertem Batteriefach baue. Allerdings sei der Batterieverbrauch ohnehin so minimal, dass eine normale Batterie locker drei bis vier Jahre halte -wohlgemerkt: bei täglichem Gebrauch!

Eine Abweichung bleibt jedoch noch zu erwähnen: der Klinkenausgang, der beim Basismodell auf der Korpusrückseite in einer Stratbuchse direkt neben dem E-Fach zu finden war, wurde beim Frischling durch eine versenkte Rundbuchse im Zargen des Instrumentes ersetzt.

Soviel zu den Abweichungen. Was bleibt, sind die Gemeinsamkeiten: die extravagante Korpusform mit ihren vielen Schmuseshapings beispielsweise weiß mir nach wie vor zu gefallen. Ebenso das auffällige obere Mickey Mouse Ohr -Korpushorn, was bekanntermaßen auch in klanglicher Hinsicht ein Volltreffer ist, da es beste Frequenzübertragung zwischen Hals und Body garantiert.


Weitere Gemeinsamkeiten: Der M-Bass Custom besitzt 24 perfekt abgerichtete Bünde (zzgl. Nullbund) auf dem Pao Ferro-Griffbrett sowie einen schwarzen Sattel aus lackiertem Ebenholz. Auch die sondergefertigten schwarzen M 2000 Mechaniken aus dem Hause Schaller kamen wieder zum Einsatz. Kein Wunder, denn diese Mechaniken arbeiten nicht nur sehr leichtgängig, sie sind es auch, denn ihre Flügel bestehen aus Kunststoff. Sie wurden an der Kopfplatte in einer 3:2-Aufteilung angebracht

Die restliche Hardware ist ebenfalls in Schwarz gehalten. Die bewährte Marleaux-Bridge (Tuning-Fork made by ETS) ebenso wie die Security-Pins und die vier Potis und der Kippschalter der Elektronik. Letztere besteht aus einem doppelstöckigen Klangpoti für aktive Bässe (unten) und aktive Höhen, einem Panoramaregler, einer passiven Höhenblende und dem Volumenpoti, welches mit einer Push-/Pull-Funktion ausgestattet ist. Wie schon der M-Bass im letzten Bass Professor-Test ist das neue Modell ab Werk in erster Linie für den Passivbetrieb ausgelegt, da man bei Marleaux der Auffassung ist, dass der M-Bass generell bereits passiv überzeugt. Wer diese Auffassung nicht teilt, kann sich selbstredend ohne weiteres die Push/PullFunktion des Volumenpotis anders herum verdrahten lassen. Das konstruktionsbedingte Hauptmerkmal der M-Bässe bleibt allerdings nach wie vor der sogenannte "durchgeleimte" Hals. Für diejenigen, die weder den Test in Ausgabe 3/2000 noch das Firmenportrait in der letzten Ausgabe gelesen haben, hier noch einmal das Prinzip des durchgeleimten Halses: Eine Halszunge reicht über das Griffbrettende in Verlängerung des Ahornhalses hinaus. An die Ober- und Unterseite dieser Zunge werden nun jeweils ein Stück Holz angeleimt, sodass quasi ein durchgehender Hals entsteht - nur eben aus verschiedenen Hölzern: dem Ahornhals und den beiden angeleimten Stücken. An diesen "quasi-durchgehenden" Hals werden nun seitlich die beiden Korpusflügel angeleimt. Das Tolle daran: Wie bereits eingangs erwähnt, können durch diese Konstruktion die klanglichen Vorteile des Schraubhalses (knalliger, durchsetzungsfähiger Ton, direkte Ansprache) mit denen des durchgehenden Halses (reiches Obertonspektrum, langes Sustain) kombiniert werden.

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Handling/Sound

Tja, was soll ich noch schreiben über das Handling eines Marleaux-Basses? Vielleicht kann ich ja mein Statement des letzten Tests wiederholen, in dem ich schon bemerkte, dass die Bespielbarkeit der M-Bässe selbst für Marleaux-Maßstäbe noch einen Schritt nach vorn bedeutet. Und das will wirklich etwas heißen!

Das Stringspacing ist wie bei einem Viersaiter, und die Saitenlage ist sehr tief bei einer nur geringen Konkav-Wölbung des Halses. Dennoch ist kein übermäßiges Schnarren an einem oder mehreren der Bünde auszumachen. Ohnehin bin ich der Auffassung, dass ein leichtes Schnarren auf allen Bünden durchaus "charmant" klingt. Es darf halt nur nicht zuviel werden. Wem das Schnarren zuviel oder zu wenig ist, der wird sich übrigens an der megaleichten Wartungs-Bedienbarkeit des neuen Marleaux-Zöglings erfreuen. Die Halsverstellschraube ist superleicht von der Korpusseite aus zugänglich, und zu der Tuning-Fork brauche ich ohnehin keine Wort mehr zu verlieren.Siappereien werden beim M-Bass Custom zu einem Kinderspiel. Beim Pizziccatospiel gleiten die Finger angenehm über die hölzernen Kappen der Pickups hinweg und schlagen quasi "im Vorbeigehen" die Saiten an, die einen angenehmen Zug aufweisen. Übrigens eignet sich der Bass besonders gut für hartes Solo-Fingerspiel a la Stanley Clarke. Besonders, wenn man die Hand am vorderen Pickup hält und etwas beherzter anschlägt, rückt Stanleys Fingersound in greifbare Nähe! Hierbei zahlt sich natürlich die megaschnelle und konkrete Ansprache des Instrumentes aus.

Der Bass liegt angenehm auf des Spielers Schoß, von Kopflastigkeit keine Spur weit und breit - die Schaller M 2000-Mechaniken waren einmal mehr die richtige Wahl. Wie schon beim Basismodell sind auch die Shapings des M-Bass Custom eine helle Freude - ich habe geradezu das Gefühl, er würde sich an mich anschmiegen. Soviel zum Handling, jetzt schauen wir doch mal, wie unser Testkandidat klingt!Zunächst einmal fällt sehr schnell auf, dass die Einführung des Halspickups eine gute Entscheidung war. Der klangliche Reichtum weiß doch noch ein gutes Stück mehr zu begeistern als beim Basismodell. Der Halspickup klingt so, wie ein Halspickup klingen muss: röhrig und wuchtig. Der Stegpickup wiederum weist deutlich mehr Definition auf. Im Singlecoilbetrieb ähnelt er einem Jazz Bass, so dass sich bei leicht zugedrehten Höhen ein netter Jacosound realisieren lässt. Der serielle Humbuckerbetrieb wiederum ist wesentlich wuchtiger und geht grob in Richtung Music Man.

Nun kann man natürlich noch beide Pickups miteinander kombinieren. Betreibt man den Stegpickup als Singlecoil und nimmt den Halstonabnehmer hinzu, stellt sich der Eindruck einer leichten Jazz Bass Marcus Miller-Affinität ein. Schaltet man den Stegtonabnehmer auf Humbuckerbetrieb um, wird der Sound brachialer. Die Jazz Bass-Anleihen erhalten sich nur in minimalen Ansätzen, statt dessen wird der Sound wesentlich eigenständiger.Die H-Saite ist übrigens (wie sollte es anders sein?) perfekt in den Sound der übrigen Saiten eingebunden.   Was die Elektronik angeht, so muss ich zuge-ben, dass allein schon der Passivsound des M-Bass Custom bemerkenswert ist. Er präsentiertsich derart ausgewogen und voll, dass die passi-ve Höhenblende prinzipiell wirklich ausreicht.Wer dennoch etwas mehr ,,Wumms" benötigtoder noch mehr crispe Höhen, ziehe schnell amVolumenpoti und schalte somit auf den Aktiv-modus um. Aber Vorsicht: Wer zu beherzt amHöhenregler dreht, nimmt in Kauf, dass derSound meiner Meinung nach etwas zu ,, klatschig" wird.Bleibt noch zu erwähnen, dass der Aktivsound natürlich keinerlei Lautstärkeunterschiede zum Passivsound mit sich bringt.

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Fazit

Der M-Bass in Ausgabe 3/2000 wusste mich schon zu begeistern, aber mit dem neuen M-Bass Custom ist es Gerald Marleaux und Tilman Antons gelungen, noch einmal "one step furt-her" zu gehen. Die optischen Neuerungen sind Geschmackssache - mir gefällt die Customversion besser, aber jemand anderes wird möglicherweise die schlichte Optik des Basismodells vorziehen. Das Handling lässt keine Wünsche offen; hier nehmen sich beide Modelle nichts. Was jedoch die klangliche Vielfalt angeht, so ziehe ich eindeutig die Customversion vor. Der Halstonabnehmer weiß sowohl im Alleingang als auch im Zusammenspiel mit dem "dicken" Jazzbucker zu gefallen. Der Gesamtsound des M-Bass Cu-stom pendelt zwischen Bewährtem (leichte JazzBass-Anleihen) und Eigenständigkeit - genaudas Richtige für den harten Profibassistenalltag, in dem Flexibilität und Wandlungsfähigkeit in allen Stilistiken gefragt sind.

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Technische Daten

Fabrikat: Marleaux
Modell: M-Bass Custom Fivestring
Korpus: Riegelahorn
Decke: Movingui Frise
Hals: Ahorn, zwei angeleimte Ahornteile über und unter der Halszunge
Griffbrett: Pao Ferro, 24 Bünde plus Nullbund
Halsbreite: Sattel: 45 mm 12. Bund: 75 mm
Mensur: 864 mm
Mechaniken: Schaller M 2000
Brücke: Marleaux by ETS (Tuning Fork)
Stringspacing: 19 mm
Tonabnehmer: Marleaux-Singlecoil und Marleaux-Jazzbucker
TA-Abstand zur Brücke: Steg PU 43 mm, Hals PU 124 mm
Elektronik: Marleaux 2-Band (konzentrisch, Höhen/Bässe), passive Tonblende, Volumen mit Push-Pull-Funktion für A/P-Umschaltung, PU-Schalter (seriell, single coil, parallel)
Gewicht: 3,8 kg
Lieferumfang: Imbusschlüssel, Gurthaltesysteme
Optionen: Der M-Bass Custom ist auch als Vier-, Sechs- und Siebensaitermodell erhältlich. Andere Holzkombinationen auf Anfrage. Linkshändermodelle ohne Aufpreis.

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