Testbericht ARTMarleaux Votan Vegas Fünfsaiter



Testbericht aus "Bassprofessor" Heft 03/2010
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Obwohl es den Votan noch nicht so lange gibt, ist er für Marleaux ein Renner. Insofern war es nur folgerichtig, ihn als erstes Modell in die Art Marleaux Reihe zu nehmen. Unter diesem Label werden Instrumente angeboten, die durch innovative und künstlerische Details zu etwas ganz Besonderem wurden. Auf der Messe war neben dem Testbass auch ein Bass mit Fellauflage in Kameloptik zu sehen. Das zu testende Instrument wurde „Vegas“ getauft. Alle Bässe von Art Marleaux sind Einzelstücke.

Technische Mermale
Body aus Dibetou
Hals einteilig aus Ahorn
Griffbrett aus Riegelahorn
Delano PUs
Schaller und ETS Hardware
Elektronik aktiv / passiv schaltbar

Konstruktion / Verarbeitung
In Ausgabe 3 / 08 hat Lars Lehmann bereits das Grundmodell des Votan getestet. In dieser neuen Variante mit einigen neuen Features erschien er dem Bass Professor aber durchaus noch einmal testenswert. Das Korpusholz Dibetou ist vom FSC  zertifiziert worden. Dahinter verbirgt sich der „Forest Stewardship Council“, der Sorge trägt für nachhaltige Forstwirtschaft und ebensolchen Holzhandel. Diese Mahagoniart stammt aus Afrika und ist ziemlich leicht. Die edle Optik wird hier durch die mattweiße Lackierung unterstrichen, mit der der ganze Bass mit Ausnahme des Griffbrettes versehen ist.Dreht man das Instrument um, fällt einem die schwarze Pik auf, die  erhaben auf die Rückseite lackiert wurde. Die Delano Extender Tonabnehmer finden auch hier Verwendung, ebenso die Behn Zweibandelektronik. Schaltet man das Aggregat aus, hat man mit dem dritten Poti eine passive Tonblende zur Verfügung. Stromversorgt wird die Klangregelung durch einen 9V Block, der in einem externen Batteriefach untergebracht ist. Dieser Bass benötigt allerdings zur Versorgung der Beleuchtung (dazu später mehr) eine weitere Batterie. Selbige wurde im E-Fach untergebracht und per Schaumstoff am Verrutschen gehindert. Hier wäre eine Lösung mit einem Doppelbatteriefach eleganter. Dass das Fach sehr gewissenhaft mit Kupferfolie ausgekleidet wurde ist bei Marleaux eine Selbstverständlichkeit.

Die Belegung der Regler wurde folgendermaßen vorgenommen: Volume mit Push/Pull Funktion. Anders als bei vielen Bässen wird hier der aktive Zustand durch Herausziehen erreicht. Es folgt der Balance Regler und die passive Höhenblende. Der letzte Poti ist ein Doppelstockpoti, der im aktiven Zustand Bässe und Höhen regelt. Mit je einem der insgesamt drei Minischalter kann man die Pickups dreistufig umschalten. Zu wählen ist zwischen Humbucker seriell, Single Coil, Humbucker parallel. Der dritte Schalter betätigt die Beleuchtung. Zum Anschluss des Kabels wurde die Klinkenbuchse in der Zarge untergebracht. Die Delano Extender Pickups sind Vierspuler, die für den Votan in einer speziellen Art vorverdrahtet wurden. Im halsseitigen Abnehmer wurde zusätzlich eine rote LED untergebracht. Das Plexiglaspickguard wurde versenkt montiert und darunter befindet sich eine Collage verschiedener Spielkarten, die einem uralten Kartensatz entstammen. Und genau diese Collage kann nun illuminiert werden. Da bekommt der Name „Vegas“ nun tatsächlich eine Bedeutung. Wow!!! Ins Griffbrett aus sehr fein geriegeltem Ahorn hat Gerald Marleaux auf Höhe des 12. Bundes ein Pik aus Ebenholz eingelegt, was auch sehr scharf aussieht. Man darf bei einem Instrument dieser Preiskategorie und dazu aus einer der besten Basswerkstätten schon erwarten, dass die Verarbeitung keinerlei Mängel aufweist. Und so ist es natürlich auch: Bundierung, Lackierung, Verdrahtung, Holzarbeiten und alles Weitere wurden mit sehr viel Liebe zum Detail und sorgfältigst gemacht. Das würde man sich bei manchem Bass dieser Preisliga in dieser Qualität wünschen. Natürlich spielen die verwendeten Teile auch ganz oben mit. ETS lieferte die Brücke mit dem eingravierten Firmenschriftzug und von Schaller stammen die Mechaniken. Diese wurden mit extraleichten Flügeln versehen, um das Gewicht der Kopfplatte gering zu halten. Das war bei dem niedrigen Bodygewicht sicherlich ein guter Gedanke. Geliefert werden die Instrumente aus der Art Marleaux Reihe in einer der noblen Harvest Ledertaschen. Sämtliches benötigtes Werkzeug liegt selbstverständlich bei.

Kurz 
Gerald Marleaux lässt schon bei seinen „normalen“ Bässen keine Zweifel an seiner Fähigkeit als Bassbauer aufkommen. Entsprechend sind natürlich auch hier keinerlei Mängel erkennbar. Das Thema „Vegas“ ist durch die beleuchtbare Collage und die Pik Einlage künstlerisch sehr gut umgesetzt.

Handling / Bespielbarkeit / Service
In der Tat bewährt sich die Verwendung von leichten Mechanikflügeln. Der Votan weist keinerlei Tendenz zur Kopflastigkeit auf. Er behält die ihm zugewiesene Position stabil bei. Bei den Tonabnehmern hat man auch an die Bassisten gedacht, die ihren Daumen gerne auf dem PU „parken“. Am oberen Ende der ovalen Gehäuse ist eine Vertiefung, eine Art Mulde, zu fühlen und zu sehen, in die man hineingreifen kann. Obwohl die obersten Lagen des Griffbrettes bereits über der Korpusdecke liegen, sind sie für die Greifhand problemlos zu erreichen. Der Hals fühlt sich mit seiner flachen D-Form sehr schnell an. Eine matte Lackierung sorgt nicht nur für außergewöhnliche Optik, sondern auch für eine sehr angenehme Haptik. Aufgrund der Shapings hängt der Bass in sehr spielerfreundlicher Position indem er sich leicht nach oben neigt. Sehr gute Einstellung von Hersteller Seite habe ich erwartet und wurde nicht enttäuscht. So muss das sein!! Bei der Bedienung der Regler muss man etwas vorsichtig sein, da diese vergleichsweise klein sind. Über die ETS Bridge etwas zu schreiben, hieße Eulen nach Athen tragen, ihre Möglichkeiten und Qualitäten wurden schon oft genug besungen. Straplocks sind montiert, die Gegenstücke sind beigelegt.

Kurz
Alles super !!!!

Sound
Sämtliche Schaltmöglichkeiten der Pickups stehen selbstverständlich auch im passiven Zustand zur Verfügung. So hat man hier schon eine sehr große Vielfalt an Klängen. Das Korpusholz gibt sich in seinen Klangeigenschaften anders als Mahagoni. Es klingt definierter und kräftiger und kommt somit in die Bereiche von den altbekannten und oft verwendeten Hölzern wie Erle und Esche. Somit stellt es sich als gute Wahl dar, wenn man klassische Sounds braucht, diese aber mit Modernität verbinden möchte. Folgerichtig hat der ArtVotan ein heiseres Röcheln genau so drauf wie ein nasales Plöken. Somit sind auch tonal alle Bereiche des Themas „Vegas“ abdeckbar. Vom versoffenen Zocker bis zum schampusschlürfenden Dandy mit einer Suite im 184 Stock des MGM-Grand werden hier alle glücklich. Aktiviert man den EQ, verliert zunächst die Höhenblende ihre Funktion. Ist ja irgendwie logisch. Nun steht also die Behn Elektronik zur Verfügung und man kann Bässe bei 70 Hz und die Höhen bei 8kHz regeln. Nicht aber sind das gemeine Frequenzregler. Gleichzeitig fungiert der Bassregler als Tiefpassfilter und der Höhenpoti als Hochpassfilter. Diese Funktion ist sehr interessant, da sie dem Sound bei aufgedrehten Höhen die ganz fiesen Spitzen nimmt. So klingt der Bass zwar sehr offen und unglaublich luftig, aber nicht harsch. Im selben Maße verhindert der Bassregler, dass die tiefen Frequenzen anfangen zu dröhnen oder zu wummern. Es überrascht keineswegs, dass inzwischen diverse international angesehene Bassisten den Votan spielen. Solch eine Flexibilität basierend auf klassischen und oft gefragten Sounds ist nicht sehr häufig zu finden. Da können sich auch die amerikanischen Hersteller der hochgezüchteten „F.-Nachbauten“ warm anziehen. Die erdigeren und wärmeren Sounds gibt es im Passivbetrieb, aktiv gespielt klingt der Bass eine Spur edler und moderner. Sehr beeindruckend ist dabei, dass die Passivoption nicht nur eine Notlösung ist, falls einem mal die Batterie schwächelt und aktiv nichts mehr geht. Wenn ich die Klangauslegung und auch die Belegung des Push/Pull Schalters richtig deute, ist hier sogar die Variante ohne Strom die ursprünglich gedachte.

Kurz
Eine wirklich beeindruckende Vielzahl an sehr guten Sounds mit klassischer Grundnote kommt aus dem Votan. Passiver und aktiver Betrieb bieten schöne Variationen des Themas.

Fazit
Der Einstand von Art Marleaux ist sehr beeindruckend. Das Gerald Marleaux Bässe von höchster Güte bauen kann, ist seit vielen Jahren bekannt. Nun kommt aber eine künstlerische Seite hinzu, die sehr kreativ gemacht und handwerklich super gemacht ist. Die Beleuchtung der Kartencollage ist der Clou. Dieser Votan ist natürlich nicht so richtig günstig. Er soll aber über seine Funktion als hervorragendes Instrument auch als Kunstwerk verstanden werden. Zudem ist er ein Einzelstück und in der Kombination dieser „Funktionen“ liegt ein ganz besonderer Reiz, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Ove Bosch


Maße / Daten
Hersteller: Art Marleaux
Herkunftsland: Deutschland
Modell: Votan „Vegas“
Mensur: 34"
Regler: Volume, Balance, Tone, Bässe, Höhen
Zubehör: Leder Gigbag,Werkzeug, Strap Locks
Preis: EUR 5700,--

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