Testbericht Marleaux Consat Custom Fünfsaiter



Testbericht aus "Fachblatt Musik Magazin" Heft 2/1993
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Der vorliegende Marleaux Consat Custom Fünfsaiter-Baß wurde in absoluter Handarbeit von Gerald Marleaux in Norddeutschland gefertigt. Seit drei Jahren stellt der 24jährige Instrumentenbauer monatlich vier bis fünf Bässe her, wobei er in puncto Qualität und Originalität keine Kompromisse eingehen möchte. Und das merkt man sofort: Das Testmodell macht Bock auf Baß!


Konstruktion

Der durchgehende Hals ist siebenfach verleimt: zwei breite Streifen Vogelaugenahorn, drei schmale Streifen Pau Ferro und dazwischen zwei schmale Streifen Vogelaugenahorn. Das Griffbrett ist aus Ebenholz und hat 24 Jumbo-Bünde. Die angeleimten Korpusteile sind aus sehr schön geflammten Ahorn, die Decke des Testmodells ist aus Amaranth, ein Edelholz, das nicht so oft im Instrumentenbau verwendet wird; ich kenne es von Wal und Alembic her. Auch die Kopfplatte ist mit einer Lage Amaranth versehen. Bei sämtlichen Laminierungen sitzt ein dünnes braunes Furnier dazwischen; ich tippe auf Palisander, dies unterstreicht noch den exklusiven Touch des Instruments. Die Straplocks sind versenkt montiert. Die Verarbeitung ist als vorbildlich zu bezeichnen; Meister Marleaux vertraute mir an, daß er bereits seit zehn Jahren Instrumente baut und das Handwerk bei einem Kunsttischler und einem Instrumentenbauer lernte. Fideln und Gamben hat er geschnitzt - und wer akustische Saiteninstrumente bauen kann, für den ist die Herstellung eines elektrischen "Solid Body"- Instruments vergleichsweise eine leichte Übung. Das macht sich hier auch an Details bemerkbar: Die Abdeckungen für E-Fach und Batterie sind nicht aus Kunststoff, sondern aus dem gleichen Holz geschnitzt und absolut paßgenau. Der Baß ist mit einem seidenmatten Finish versehen, welches die Holzmaserung noch spüren läßt.

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Hardware

Die verwendeten fünf Gotoh-Mechaniken sind leichter als ihre Schaller-Kollegen und funktionieren einwandfrei. Die Bridge ist von "Elastic Trem" und funktioniert nach dem Steinberger-Prinzip: die Saitenreiter sitzen in Messingblöckchen und werden von seitlich angebrachten Arretierschrauben gehalten. Hier sitzen die Reiter für low B, E und A und die Reiter für D und G jeweils in einem separaten Abteil, dies begünstigt eine saubere Einstellung der Intonation. Jeder Saitenreiter ist in seinem Block seitlich verstellbar, jeder Block wiederum ist mittels dreier Madenschrauben in der Höhe verstellbar. Die Ballends stecken in einem Stop-Tailpiece und Können beim Saitenwechsel ausgehängt werden.

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Pickups und Klangregelung

Zwei Basstee-Soapbars sitzen an den üblichen Stellen; gegen Aufpreis ist der Consat auch mit Bartolini-Pickups erhältlich. Die von Wolfgang Behn aus Dortmund gebaute "ProgramAble" - Klangregelung ist anders als das was man sonst so kennt; dahinter steckt eine besondere Philosophie.

Mal der Reihe nach: Das Volumepoti arbeitet in jeder Stellung als Lautstärkeregler. Das Balancepoti arbeitet ebenfalls in jeder Schalterstellung als Pickup-Panoramaregler. Das Baßpoti hat eine Doppelfunktion: In der Mittelstellung wird die Eckfrequenz für den Baßbereich aus 100 Hz, 160 Hz oder 250 Hz ausgewählt. Mit der Schalter- Stellung 3, die als Taster ausgeführt ist, wird diese ausgewählte Frequenz durch einmaliges anziehen gespeichert. Wie sich der Filter auf den Sound auswirkt, ist erst in Schalterstellung 1 hörbar, und in dieser Stellung kann die Frequenz von -14 dB bis +14 dB abgesenkt werden. Auch das Treblepoti arbeitet genau wie das Baßpoti und wählt eine Frequenz aus 2,5 kHz, 4 kHz oder 6,5 kHz für den Höhenbereich aus.

Diese Art der Klangregelung erspart einem das lästige Gefuddel mit Dip-Switches oder Trimpoties im Inneren der Klangreglung, die gewünschte Sound-Feineinstellung wird gemacht, gespeichert und kann jederzeit wieder verändert werden. Die Einstellung bleibt bis auf Widerruf erhalten - selbst bei einem Batteriewechsel geht die digital abgespeicherte Feineinstellung in den ICs nicht verloren, wenn die neue Batterie in weniger als sieben Sekunden angeschlossen wird.

Ein Blick in das Elektronik-Fach zeigt, daß sie komplett in einem kompakten Plastikkästchen sitzt. In der Praxis funktioniert es so: In der Mittelstellung klingt der Baß linear, hier stellt man die Bässe und Höhen ein, zieht den Schalter hoch und programmiert somit die Einstellung der Klangregelung. Dann den Schalter auf Position 1, und man hört die gespeicherte Klangeinstellung. So kann der Benutzer seine bevorzugten Frequenzen suchen und festhalten. Diese Art der Klangregelung ist zwar nicht so spektakulär wie eine Parametrik mit dem bekannten Wah-Wah-Effekt, aber mal eine andere Art der Klangbearbeitung.

Sound: Der Consat-Grundsound läßt sich durch die KIangregelung noch variieren, aber das Instrument behält stets seine Charakteristik. Meine bevorzugte Einstellung: Höhen voll, Punch nicht ganz drauf, dann kommen die Bässe kräftig und druckvoll, Mitten und Höhen definiert, und jeder Ton hat noch ein sattes Klick im Attacke. So kommt ein klanglich überzeugender Daumen-Fetzer-Sound rüber. Für einen runden Fingersound empfiehlt es sich, die Höhen etwas zurückzunehmen. Akkorde klingen klar und durchsichtig.

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Bespielbarkeit und Sound

Irgendwie fühlt sich dieser Baß sofort vertraut an. Wahrscheinlich liegt es an der Halsform: sie ist asymmetrisch gearbeitet, nicht superflach, sondern eher satt und griffig, erinnert mich an alte Fender Precisions und liegt mir genau richtig in der Hand! Das seidenmatte Finish stört überhaupt nicht beim Rutschen der Greifhand. Die gesamte Form ist gut ausgewogen: Das Teil hängt in optimaler Spielposition vor der Wampe und ist kein bißchen kopflastig. Ungehindert können sich die Finger auf den Saiten austoben. Marleaux erzählte mir, daß ihm ein guter Slapsound für seine Instrumente sehr wichtig ist, und das merkt man auch: Der Slapsound ist sofort da, wenn man das Teil einklinkt. Kernig in den liefen, drückend wenn es sein muß, prägnant in den Höhen, aber nicht spitz und ätzend. Die geslapten und angerissenen Höhen kommen etwas "komprimiert", so als wäre ein Limiter dazwischengeschaltet. Das läßt auf Verwendung erstklassiger Tonhölzer schließen. Auch die fünfte Saite, die oft bei Fünfsaiter-Bässen in Sound und Lautstärke abfällt, ist hier voll da, rund und ausgewogen im

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Gesamturteil

Gerald Marleaux hat einen Baß konzepiert, der es in Punkto Verarbeitung, Sound und Bespielbarkeit mit sämtlichen amerikanischen Kult-Bässen aufnehmen kann. Die Klangregelung weicht ab vom Üblichen, aber wenn man sich darauf eingelassen hat, läßt es sich bestens damit arbeiten. Besonders der Slapsound hat es mir angetan! Der Consat ist ein Daumenbaß ersten Ranges, und ich kann jedem Basser, dem es um einen definierten Ton in allen Lagen geht, empfehlen, sich dieses Teil mal in Ruhe reinzutun.

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Technische Daten

Fabrikat: Marleaux
Modell: Consat Custom Fünfsaiter
Herkunftsland: Deutschland
Bauweise: durchgehender Hals
Korpus: geflammtes Ahorn
Korpusdecke: Amaranth
Hals: Vogelaugenahorn, siebenfach mit Padoukstreifen verleimt
Griffbrett: Ebenholz
Mensur: 86 cm long scale
Tonumfang: 24 Bünde
Sattel: Ebenholz, Nullbund Halsbreite am Sattel: 44 mm am 12. Bund: 67 mm
Pickups: 2 x Basstec Soapbar
Elektronik: aktiv, ProgramAble 2-Banda
Regler: 1 x Mastervolume, 1 x Balance, 1 x Bass, 1 x Treble, 1 Dreiwegschalter,
Power: 1 x 9-Volt-Batterie
Bridge: Elastic Trem, Messing
Mechaniken: Gotoh geschlossen

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